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Heiraten wen ich will … und wann ich will

Gewalt in der Familie, Frühverheiratung, Zwangsheirat – all dies kommt vor. Auf unterschiedliche Weise. In jeder Familie anders. Aus unterschiedlichen Gründen. Manchmal wird dies auch mit der Religion begründet. Manchmal hast du, haben Sie es erwartet. Oder es kommt aus heiterem Himmel. Es ist schwer, damit klar zu kommen.

Zwangsheirat bedeutet: eine Frau, ein Mädchen, ein Junge oder ein Mann werden gegen ihren Willen verheiratet, sind mit einer Verheiratung nicht einverstanden. Eindeutig ist eine Zwangsheirat, wenn Gewalt angewendet wird. Wenn eine Frau, ein Mädchen, ein Junge oder Mann eingesperrt, geschlagen oder bedroht wird. Wenn z.B. eine Reise ins Heimatland der Eltern für eine Verheiratung ausgenutzt wird. Zwang ist aber auch, wenn sie oder er durch die Familie psychisch unter Druck gesetzt, emotional erpresst oder ständig beschimpft wird. Manchmal ist der Zwang von außen nicht eindeutig erkennbar. Im Gegensatz zur Zwangsheirat wird eine arrangierte Heirat zwar zum Beispiel von Verwandten vereinbart, aber Braut und Bräutigam stimmen dem zu. Die Grenzen sind hier fließend.

  • ich habe Angst, dass meine Familie eine Verheiratung plant…
  • meine Familie setzt mich unter Druck…
  • ich bin mir nicht sicher, was ich will…
  • ich weiß nicht, was ich tun kann …
  • ich schäme mich …

Auf dieser Seite haben wir Informationen zusammengestellt. Zum Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und zu Gesetzen. Es gibt Hinweise, an wen ich mich wenden kann, wenn ich Fragen zu Frühverheiratung oder Zwangsverheiratung habe. Um klar zu werden, was ich will, worum es gerade geht. Auch erst einmal vertraulich. Oder über eine Online-Beratung.

Ich habe Rechte

Zwangsheirat ist eine Menschenrechtsverletzung: "Die Ehe darf nur aufgrund der freien und vollen Willenseinigung der zukünftigen Ehegatten geschlossen werden" (Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, 1948).

Das Strafgesetz sagt: In Deutschland ist es eine Straftat jemanden zur Heirat zu zwingen oder durch Täuschung, Drohung oder Gewalt in ein anderes Land zu bringen und dort zur Heirat zu zwingen. Strafgesetzbuch (StGB) § 237 Zwangsheirat.

Das Aufenthaltsrecht regelt ein Rückkehrrecht. Betroffene verlieren ihr Aufenthaltsrecht in der Regel nicht, wenn sie durch eine Zwangsheirat von einer Rückkehr nach Deutschland abgehalten werden. Sie haben vielmehr ein Rückkehrrecht. Das Visum zur Rückkehr nach Deutschland beziehungsweise die Aufenthaltserlaubnis können sie innerhalb von drei Monaten nach Wegfall der Zwangslage, spätestens jedoch vor Ablauf von zehn Jahren seit der Ausreise beantragen. § 37 Absatz 2a und § 51 Absatz 4 des Aufenthaltsgesetzes

Das Familiengericht kann eine Zwangsehe aufheben. Der Antrag muss innerhalb von drei Jahren nach Beendigung der Zwangslage gestellt werden (§§ 1314, 1317 des Bürgerlichen Gesetzbuchs).

Es gibt Unterstützung und Beratung

In Bremen und Bremerhaven gibt es Einrichtungen, die sich gut mit Zwangsverheiratung auskennen – man nennt sie Fachstellen. Diese sind in der rechten Spalte verlinkt. Beratung bedeutet hier: mit jemandem von außen sprechen, die oder der versteht, was bei mir los ist. Eine Beraterin, ein Berater hilft zu klären, was ansteht, worum es geht und wie es weitergehen kann. Ich selbst bestimme, worüber wir sprechen. Wer von meinen Problemen erfährt. Wie lange ich die Beratung nutzen will. Es gibt die Möglichkeit, sich von einer Frau oder einem Mann beraten zu lassen. Fragt danach! Fragen Sie danach!

Erst einmal informieren. Vertraulich. Auch anonym

Viele Beratungsstellen beraten vertraulich und auch anonym. In Deutschland haben manche Berufsgruppen eine gesetzlich verbürgte Schweigepflicht. Dazu gehören Ärztinnen und Ärzte oder Mitarbeiter/innen in Erziehungs- oder Jugendberatungsstellen.

Mädchen, junge Frauen, Jungen, junge Männer können sich auch ohne Wissen der Eltern beim Jugendamt oder einer Beratungsstelle beraten lassen. Darauf haben sie ein Recht. Auch wenn sie noch nicht volljährig sind. Die Eltern oder die Familie werden davon nicht informiert.

Das Bundeshilfetelefon bietet Beratung: rund um die Uhr und in unterschiedlichen Sprachen. Vertraulich. Am Telefon, per Mail oder als Chat. Auch anonym. Hier beraten Frauen. Sie schalten eine Dolmetscherin zu, wenn dies nötig ist.

Auch Lehrerinnen oder Lehrer handeln nicht über euren Kopf hinweg. Und es gibt die Beratungsstellen für Schülerinnen und Schüler, die Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren kurz ReBUZ. Diese Beratungsstellen gibt es in Bremen in vier Stadtteilen und in Bremerhaven:

  • ReBUZ Nord, Gerhard-Rohlfs-Straße 62, 28757 Bremen, Tel. 0421 361-7792
  • ReBUZ West, Vegesacker Straße 84, 28217 Bremen, Tel. 0421 361-10803
  • ReBUZ Ost, Fritz-Gansberg-Straße 22, 28213 Bremen, Tel. 0421 361-16050
  • ReBUZ Süd, Große Weidestraße 4-16, 28195 Bremen, Tel. 0421 361-10559
  • ReBUZ Bremerhaven, Friedrich-Ebert-Straße 25, 27570 Bremerhaven, Telefon 0471 590-3570/71

Mehr zu ReBUZ in Bremen unter http://www.rebuz.bremen.de/ , in Bremerhaven unter: http://www.rebuz-bremerhaven.de/

Ich brauche besonderen Schutz und Sicherheit

Manchmal ist die Bedrohung so massiv, dass ganz besonderer Schutz nötig ist. Fachberatungsstellen helfen, einzuschätzen, wie gefährlich es für mich ist. Sie helfen auch dabei, eine sichere Unterkunft zu finden, auch in einer anderen Stadt. Es kann eine Auskunftssperre verhängt werden. Dann kann niemand den neuen Wohnort über das Melderegister erfahren.

PAPATYA bietet Schutz und Hilfe für Mädchen und junge Frauen, die von ihren Familien bedroht werden. Beratung am Telefon oder online.

Hier finde ich mehr Informationen

Auf dieser Seite finden Mädchen und junge Frauen, denen Zwangsheirat droht oder die gegen ihren Willen verheiratet wurden, Informationen und Beratung. Per Mail, im Chat, per Telefon oder auch persönlich in verschiedenen Sprachen.

Terre des Femmes ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Frauen. Auch auf ihren Internetseiten finden Sie mehr zum Thema "Zwangsheirat".